Subject: Mundingen liest ...
Konsumrebellen. Über Gegenkultur und Scheinrebellion.
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Lehnen Sie die Konsumkultur ab? Den ganzen Verpackungskram, den Reklamerummel? Eine Modeindustrie, die Jagd auf Ihre Kinder macht, mit dem Ergebnis, dass außer Klamotten von Replay und Schuhen von Nike nichts mehr in die Tüte kommt? Willkommen im Club. Denn selbst in knappen Zeiten gehört in Deutschland eine konsumkritische Haltung fast schon zum guten Ton. Mit einer paradoxen Konsequenz: Versandhäuser, die sich von der industriellen Massenfertigung abwenden und nur teure Design-Produkte vertreiben – die so genannten »guten Dinge« –, florieren. Filme wie 'American Beauty' oder 'Fight Club', die sich gegen die Entfremdung des modernen Menschen in der Warenwelt wenden, machen Kasse; und Gesellschafts-Kritiken wie Naomi Kleins 'No Logo' halten sich monatelang in den Bestsellerlisten. Offenbar funktioniert der Kapitalismus bestens und stellt sich auch noch auf die Nachfrage nach konsumkritischen Produkten ein. Aber wie können so viele Menschen das Konsumdenken ablehnen und trotzdem an einer Konsumgesellschaft teilnehmen?
Dieser Frage sind die Autoren in ihrem witzigen und schnellen Buch über Gegenkultur und Scheinrebellion nachgegangen, in dem es genauso um große Offroad-Autos und schicke Lofts geht wie um Baudrillard und Douglas Adams, Star Trek und Sigmund Freud.
Frühmorgens am 8. April 1994 kam der Elektriker, um an der neuen Alarmanlage zu arbeiten. Sie sollte in einem luxuriösen Haus mit Ausblick auf den Lake Washington installiert werden, im Norden von Seattle. Im Gewächshaus findet er den Besitzer des Hauses, Kurt Cobain, in einer Blutlache auf dem Boden. Trotz einer tödlichen Überdosis Heroin hatte er sicherheitshalber kurzen Prozess gemacht und sich mit einer 16-mm-Remington-Schrotflinte die linke Kopfseite weggeschossen.
Als sich die Nachricht von seinem Tod verbreitete, war kaum jemand überrascht. Schließlich war er es, der "I Hate Myself and I Want to Die" aufgenommen hatte. Als Frontman der Gruppe Nirvana, der vielleicht wichtigsten Band der 90er Jahre, wurde er auf Schritt und Tritt von den Medien verfolgt. Seine früheren Selbstmordversuche waren Tagesgespräch. Der neben ihm liegende Brief ließ wenig Raum für Spekulationen: "Better to burn out than to fade away."
Kurt Cobain war das Opfer einer falschen Idee geworden - der Idee der Gegenkultur. Cobain hatte es nie geschafft, seinen Hang zu "alternativer" Musik mit Nirvanas Popularität zu verbinden. Der Selbstmord war am Ende der letzte Ausweg. Lieber Schluss machen, bevor der letzte Rest von Integrität verloren geht. Was er sich nicht eingestehen konnte, war die Möglichkeit, dass alles nur eine Illusion war, dass es gar keine Alternative gibt, keinen Mainstream, keine Verbindung von Musik und Freiheit - und auch keinen Ausverkauf der Ideale. Es gibt nur Leute, die Musik machen und Leute, die Musik hören wollen. Woher stammt dann die Idee, dass man unpopulär sein muss, um authentisch zu sein?
Joseph Heath und Andrew Potter "Konsumrebellen. Der Mythos der Gegenkultur". Aus dem Englischen von Thomas Laugstien. 420 Seiten. Fadenheftung. Fester Einband. Rogner & Bernhard nur bei Zweitausendeins.
19,90 EUR. Nummer 17409. Notieren.
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Lehnen Sie die Konsumkultur ab? Den ganzen Verpackungskram, den Reklamerummel? Eine Modeindustrie, die Jagd auf Ihre Kinder macht, mit dem Ergebnis, dass außer Klamotten von Replay und Schuhen von Nike nichts mehr in die Tüte kommt? Willkommen im Club. Denn selbst in knappen Zeiten gehört in Deutschland eine konsumkritische Haltung fast schon zum guten Ton. Mit einer paradoxen Konsequenz: Versandhäuser, die sich von der industriellen Massenfertigung abwenden und nur teure Design-Produkte vertreiben – die so genannten »guten Dinge« –, florieren. Filme wie 'American Beauty' oder 'Fight Club', die sich gegen die Entfremdung des modernen Menschen in der Warenwelt wenden, machen Kasse; und Gesellschafts-Kritiken wie Naomi Kleins 'No Logo' halten sich monatelang in den Bestsellerlisten. Offenbar funktioniert der Kapitalismus bestens und stellt sich auch noch auf die Nachfrage nach konsumkritischen Produkten ein. Aber wie können so viele Menschen das Konsumdenken ablehnen und trotzdem an einer Konsumgesellschaft teilnehmen?
Dieser Frage sind die Autoren in ihrem witzigen und schnellen Buch über Gegenkultur und Scheinrebellion nachgegangen, in dem es genauso um große Offroad-Autos und schicke Lofts geht wie um Baudrillard und Douglas Adams, Star Trek und Sigmund Freud.
Frühmorgens am 8. April 1994 kam der Elektriker, um an der neuen Alarmanlage zu arbeiten. Sie sollte in einem luxuriösen Haus mit Ausblick auf den Lake Washington installiert werden, im Norden von Seattle. Im Gewächshaus findet er den Besitzer des Hauses, Kurt Cobain, in einer Blutlache auf dem Boden. Trotz einer tödlichen Überdosis Heroin hatte er sicherheitshalber kurzen Prozess gemacht und sich mit einer 16-mm-Remington-Schrotflinte die linke Kopfseite weggeschossen.
Als sich die Nachricht von seinem Tod verbreitete, war kaum jemand überrascht. Schließlich war er es, der "I Hate Myself and I Want to Die" aufgenommen hatte. Als Frontman der Gruppe Nirvana, der vielleicht wichtigsten Band der 90er Jahre, wurde er auf Schritt und Tritt von den Medien verfolgt. Seine früheren Selbstmordversuche waren Tagesgespräch. Der neben ihm liegende Brief ließ wenig Raum für Spekulationen: "Better to burn out than to fade away."
Kurt Cobain war das Opfer einer falschen Idee geworden - der Idee der Gegenkultur. Cobain hatte es nie geschafft, seinen Hang zu "alternativer" Musik mit Nirvanas Popularität zu verbinden. Der Selbstmord war am Ende der letzte Ausweg. Lieber Schluss machen, bevor der letzte Rest von Integrität verloren geht. Was er sich nicht eingestehen konnte, war die Möglichkeit, dass alles nur eine Illusion war, dass es gar keine Alternative gibt, keinen Mainstream, keine Verbindung von Musik und Freiheit - und auch keinen Ausverkauf der Ideale. Es gibt nur Leute, die Musik machen und Leute, die Musik hören wollen. Woher stammt dann die Idee, dass man unpopulär sein muss, um authentisch zu sein?
Joseph Heath und Andrew Potter "Konsumrebellen. Der Mythos der Gegenkultur". Aus dem Englischen von Thomas Laugstien. 420 Seiten. Fadenheftung. Fester Einband. Rogner & Bernhard nur bei Zweitausendeins.
19,90 EUR. Nummer 17409. Notieren.
www.last.fm/user/kaesvadius
www.flickr.com/photos/kaesvadius/
Den guten Arzt erkennt man daran, daß er seine Patienten vor dem Leberschaden warnt, aber nicht zu Tode erschrickt, wenn sie ihm aus Dankbarkeit ein Kistchen Burgunder schenken.
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Den guten Arzt erkennt man daran, daß er seine Patienten vor dem Leberschaden warnt, aber nicht zu Tode erschrickt, wenn sie ihm aus Dankbarkeit ein Kistchen Burgunder schenken.

Dr. Kaes
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aber trotzdem...dass du im ernst ein fachbuch hier postest? ich bin beeindruckt gg