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street view
djän #1
Member since Jan 2005 · 5936 posts · Location: Brooklyn
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Subject: street view
Schreibt die c't:
Ansichtssachen

Mitten in den Ferien schlug der Krake mit seinen mächtigen Tentakeln zu.
Nichtsahnend sonnten sich die Deutschen gerade an der Costa Brava oder
staubten im Vorgarten ihre Gartenzwerge ab, als es plötzlich hieß:
Google Street View kommt nach Deutschland. Schockschwerenot!

Von den Medien getrieben sprangen Politiker aller Bundestagsfraktionen
mutig vor Googles allgegenwärtige Augen, die heimlich hilflose
Hausfassaden abfotografiert hatten und außerdem den Dreifüßlern in
"Krieg der Welten" ähnlich sehen. Niemals würde unsere Regierung
zulassen, dass so private Informationen über die Landesgrenzen
hinausdringen. Außer beim SWIFT-Abkommen, aber da geht es ja nicht um
Fotos, sondern um Kontodaten - was ist das schon gegen das Risiko, dass
ein Passant beim Brötchenholen oder ein Autokennzeichen versehentlich
der automatischen Verpixelung entgehen könnte? Das wäre ja fast, als
stünde man vor anderen splitternackt da, wie etwa bei der
Sicherheitskontrolle am Flughafen.

Mit einem Blick ins Web ließe sich feststellen, in welchem Milieu jemand
wohnt - der Diskriminierung würden Tür und Tor geöffnet. Gegen
Vorurteile hilft nur besseres Wissen, zum Beispiel das von Schufa und
Co., die schon heute zuverlässig entscheiden können, wer einen
Handy-Vertrag kriegt und wer nicht. In ihrem heiligen Zorn wandten sich
Bürger an die Lokalzeitung, die sie vor ihren Häusern ablichtete,
unverpixelt und mit vollem Namen versehen. Andere wollen Google aus
Prinzip nicht gönnen, mit ihrem Eigentum Geld zu verdienen.

Auch im Internet formiert sich Protest: Auf Facebook suchen
Anti-Street-View-Aktivisten Zulauf, die ihre Privatissima nicht einem
dahergelaufenen US-Konzern zum Fraß vorwerfen wollen. Konstruktiv ist
dagegen die Idee des Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, der mit
Street View auf virtuelle Streife gehen will. Obwohl, vermutlich wären
die Hunderttausende von in Deutschland installierten, größtenteils
illegalen Überwachungskameras dafür geeigneter als die Jahre alten
Google-Fotos. Oder glaubt hier jemand, es gehe um Live-Bilder?

Retten wir also die Menschenrechte von Ziegeln und Zement. Verpixeln wir
die für jeden sichtbaren Fassaden und sorgen wir dafür, dass bald keiner
mehr ohne behördliche Genehmigung ein Urlaubsfoto ins Internet stellen
darf. Allerdings könnte es dann sein, dass bald kein Mensch mehr die
deutschen Datenschutzsorgen ernst nimmt - und das könnte ein Problem
werden, denn Gesetzesvorhaben wie ACTA, ELENA und die Volkszählung oder
gerade auch Googles unersättlicher Hunger nach sensibleren Daten als
Straßenfotos brauchen ein glaubwürdiges, gut informiertes Gegengewicht.
(heb)

P. S.: Mehr zu Google Street View lesen Sie auf Seite 50.
Herbert Braun
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